Haltung

Haltung von Vögeln

Vogelauswahl

Bei der Auswahl einer Vogelart muss man sich über mehrere Sachverhalte Gedanken machen. Anfänger in der Vogelhaltung sollten pflegeleichte Vögel auswählen. Wer in einer Mietwohnung wohnt, sollte darauf achten, dass es sich um eine relativ leise Vogelart handelt, die die Nachbarn nicht stört. Außerdem muss bedacht werden, wieviel Raum den Vögeln zur Verfügung steht. Wer nur 20 m² Raumfläche zur Verfügung hat, sollte sich keine großen Vögel (35 cm und mehr) holen.

Paarweise Haltung

Vögel sind Schwarmtiere, die in der Natur nie alleine sind. Jeder Vogel braucht einen Partner, der seine Sprache spricht, ihn füttern und kraulen kann, mit ihm zusammen herumfliegt und 24 Stunden am Tag mit ihm zusammen ist. Der Mensch kann einen Vogelpartner nicht ersetzen, selbst wenn er (fast) immer zu Hause ist!! Deshalb sollten auf jeden Fall mindestens zwei Vögel gekauft werden. Es sollte sich dabei um die gleiche Vogelart handeln, nicht zwei verschiedene, denn auch die unterschiedlichen Vogelarten sprechen verschiedene Sprachen und haben andere Verhaltensweisen, was nicht richtig zusammen passt.

Lebenserwartung von Vögeln

Das Alter hängt oft mit der Größe des Vogels zusammen. So können Wellensittiche 10-15 Jahre alt werden, Prachtsittiche (Schildsittiche, Princess of Wales-Sittiche) 15 Jahre, Nymphensittiche 20-25 Jahre und Plattschweifsittiche (Pennantsittiche, Stanleysittiche, Rosellas) 25 Jahre und mehr.

Voliergröße & Ausstattung

Generell gilt: Je größer ein Käfig, desto besser. Den Vögeln sollte es möglich sein, von einer Stange zur nächsten fliegen zu können. Dies gilt vor allem für die kleineren Vögel, die mehr fliegen als Großsittiche und Papageien, die eher von Ast zu Ast klettern.
Die Käfig- oder Volierengröße ist abhängig von der Vogelart (Größe), der Anzahl der Vögel und der Freiflugmöglichkeit. Bei den meisten Vögeln ist die Länge wichtiger als die Höhe, da sie Flugraum benötigen. Jedes Pärchen, das dazugesetzt wird, benötigt 50% Käfigfläche mehr. Haben Vögel den ganzen Tag Freiflug im vogelsicheren Zimmer und nutzen den Käfig weitestgehend zum Schlafen, tut es auch ein etwas kleinerer Käfig. Für größere Vögel werden entsprechend große Volieren benötigt. Die Vögel brauchen möglichst täglich für ein paar Stunden Freiflug.

Zur Grundausstattung gehören Sitzäste unterschiedlichen Durchmessers (am besten ungespritzte Obstbäume), Jodkalkstein, Gritstein, Sepia, Futter- und Trinknäpfe. Außerdem kann man Zweige zum Knabbern (z.B. Weide) und verschiedenes Spielzeug wie Schaukeln, Gitterbälle oder Leitern anbieten. Plastikvögel und Spiegel gehören nicht in den Käfig.

WICHTIG: Runde Käfige sind für Vögel ungeeignet, ebenso weiße Käfige und Kunststoffummantelung.

In runden Käfigen kann sich der Vogel nicht orientieren, weiße Käfige behindern die Vögel bei der Wahrnehmung ihrer Umgebung. Käfige sollten am besten eine rechteckige Form besitzen und an allen Seiten, mindestens aber an zwei der Seiten querverlaufende Gitterstangen haben. Vögel klettern viel und benötigen deshalb querverlaufende Stangen zum Halt. Der Kunststoffbezug kann bei nagefreudigen Papageien und Sittichen zu gesundheitlichen Schäden führen.

Käfig- und Voliereninhalt

Einstreu: Als Einstreu eignen sich am ehesten Sand oder Buchenholzgranulat. Zeitungspapier, Küchenpapier etc. sind als Bodenbelag ungeeignet. Die Sittiche müssen Sand und Grit zur Förderung der Verdauung aufnehmen können, deshalb muss bei der Benutzung von Buchenholzgranulat als Bodenbelag unbedingt eine Schüssel Sand zur Verfügung stehen.

Sitzstangen: Viele Käfige werden mit Plastiksitzstangen im Handel angeboten. Diese können sofort entsorgt werden, denn sie sind völlig ungeeignet, da sie viel zu rutschig sind und viele Krankheiten der Füße (z.B. Sohlenballengeschwür) fördern. Das mindeste sind Holzstangen unterschiedlichen Durchmessers, am bestens eignen sich Zweige von Obstbäumen oder Weide, ebenfalls unterschiedlichen Durchmessers. Dadurch müssen die Sittiche die Zehen nicht immer in der gleichen Stellung halten, so dass Füße und Gelenke unterschiedlich belastet und trainiert werden. Wer Obstbaumzweige verwendet muss darauf achten, dass diese ungespritzt sind. Naturäste enthalten übrigens wichtige Mineralien und Spurenelemente.

Es ist wichtig, dass die Sitzstangen nicht zu dünn sind, denn dann werden die Fußgelenke falsch belastet. Ein Sittich darf die Stange nicht ganz umfassen können.

Sicherheitshalber sollten die Zweige vor der Benutzung mit heissem Wasser gut abgebürstet werden, um gegebenenfalls Vogeldreck und Parasiten zu entfernen.

Futter- und Wassernäpfe: Die Näpfe sollten etwa in Höhe der Sitzstangen an der Käfig- oder Volierenwand befestigt sein. Näpfe, die auf dem Boden stehen, werden sehr leicht verunreinigt. Über den Näpfen dürfen sich keine anderen Sitzstangen befinden, von denen aus die Sittiche den Inhalt verunreinigen können. Auch sollten Futter- und Wassernapf nicht zu nah nebeneinander hängen, da das Wasser sonst durch Körner schnell verdreckt werden kann.

Am besten eignen sich Edelstahl- oder Keramiknäpfe, die gut zu reinigen sind. Futterautomaten funktionieren oft nicht und bieten den Sittichen zudem zuviel Futter. Gerade Wellensittiche nehmen gerne so viel Futter auf wie möglich. Durch Futterautomaten kann dieses Verhalten ungünstig beeinflusst werden.

Trinkautomaten sind unhygienisch und sollten nicht benutzt werden. In dem geschlossenen Automaten können sich sehr schnell Bakterien bilden.

Der Wassernapf muss mindestens einmal am Tag mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt werden. Sonst bildet sich ein schleimiger Belag auf dem Boden des Gefäßes. In ihm sind viele Bakterien enthalten. Im Sommer empfiehlt es sich deshalb unbedingt, das Wasser mehrmals am Tag zu wechseln (mind. zweimal, morgens und nachmittags). Gerade Jungvögel und alte und / oder kranke Sittiche werden sonst sehr schnell angegriffen.

Jodkalkstein und Gritstein sind unverzichtbarer Zubehör im Käfig. Sie dienen als Mineralstoffquellen. Der Gritstein enthält unverdaulichen Grit, der die Verdauung unterstützt, indem er im Magen zum Zerreiben der Körner mit beiträgt. Der im Vogelsand enthaltene Kalkgrit ist kein Ersatz für diesen Gritstein, da er in der Magensäure aufgelöst wird und die Verdauung daher nicht unterstützt.

Hygiene: Bakterien und Pilze können sich überall bilden, wo Dreck vorhanden ist. Beispiele dafür sind vollgekotete Sitzstangen, zu seltenes Auswechseln der Einstreu oder der Futter- und Wassernapfinhalte oder zu schlechtes Reinigen der Wassernäpfe / Trinkautomaten. Auch bei Körnerfutter muss darauf geachtet werden, dass es nicht schlecht ist (es sollte regelmäßig durch einen Keimtest kontrolliert werden). Frischfutter (Obst, Gemüse, Weichfutter etc.) darf nicht zu lange im Käfig bleiben.

Tägliche Reinigung der Futter- und v.a. Wassernäpfe und verschmutzten Sitzstangen mit heißem oder kochendem Wasser und Bürste. Keine Reinigungsmittel verwenden!

Wöchentliche Reinigung des Käfigs oder der Voliere. Wenn mehr Dreck anfällt, z.B. durch mehrere Sittiche oder das Anknabbern von Sitzästen und Obst / Gemüse, ist auch zweimal pro Woche eine Reinigung fällig. Auswechseln der Einstreu und Waschen mit heißem oder kochendem Wasser. Reinigungsrnittel und Desinfektionsmittel sind bei gesunden Sittichen nicht notwendig und bei falscher Anwendung auch gesundheitsschädlich.

Monatliche Reinigung der Wassernäpfe und Badehäuschen mit Essig, um Kalkreste zu entfernen. Bei Bedarf auch öfter. Auf dem Kalkbelag können sich Bakterien gut ansiedeln. Danach sehr gut abspülen.

Desinfektion des Käfigs oder der Voliere ist nur dann notwendig, wenn ein oder mehrere Sittiche erkrankt sind.

Zehn Entscheidungshilfen

  1. Sind Sie und ihre Familie bereit, eine Verantwortung für Leben und Wohlergehen von Vögeln zu übernehmen, die 10 bis 20 Jahre und länger dauern kann?
  2. Ist niemand in Ihrer Familie allergisch gegen Gefiederstaub?
  3. Leben noch andere Tiere bei Ihnen, die den Vögeln gefährlich werden könnten, zum Beispiel Katzen?
  4. Wer versorgt die Vögel, wenn Sie selbst einmal verhindert sind? Planen Sie eine Urlaubsreise, müssen Sie sich rechtzeitig um einen verlässlichen Pfleger kümmern.
  5. Vögel müssen mindestens einmal am Tag mit frischer Nahrung versorgt werden.
  6. Die Nahrung muss regelmäßig besorgt werden und kostet Geld.
  7. Das Sauberhalten von Käfig, Voliere und allen Gegenständen, mit denen die Vögel in Berührung kommen, ist zeitaufwendig.
  8. Eine Voliere – im Freien mit beheitzbarem Schutzhaus – braucht Platz und ist nicht billig.
  9. Wenn Sie Vögel züchten, denken Sie daran, dass Sie nur Jungvögel verkaufen dürfen, deren Art nicht dem Handelsverbot unterliegt.
  10. Es kann teuer werden, wenn die Vögel einmal ärztliche Hilfe benötigen.