Gefahrenquellen

Gefahrenquellen

Entfliegen:

„Ich mache das Fenster nur einen kleine Spalt breit auf, es wird schon nichts passieren!“ Dass diese Annahme oftmals einem fatalen Irrtum entspricht, halten die wenigsten Vogelhalter für möglich. Der sonst eher träge Vogel spürt einen Windhauch, wird neugierig und ist schneller aus dem Fenster geflogen, als man hinterher schauen kann. Zudem ist es erstaunlich, durch welch schmale Öffnung sich ein Vogel zwängen kann!

Geöffnete Balkontüren,

vor denen ein leichter Vorhang weht, stellen eine Einladung für den Freiflug der besonderen Art dar. Ich beobachte meine Sittiche von Zeit zu Zeit dabei, wie sie in der Gardine landen und neugierig dahinter schauen.

Gegen eine Glasscheibe fliegen:

Eine große Gefahr für Vögel stellen Fensterscheiben, Spiegel und andere Glasflächen dar. Zwar mag ein Vogel normalerweise an die unsichtbare Barriere gewöhnt sein. In einer Paniksituation aber könnte der Fluchtinstinkt siegen, was den Vögel unter Umständen dazu veranlasst, gegen das Glas zu fliegen. Im schlimmsten Fall bricht er sich das Genick und ist auf der Stelle tot. Aber es kann auch zu schweren Blutungen der Nase, zu gefährlichen Platzwunden am Kopf, zu Gehirnerschütterungen und Knochenbrüchen kommen. Eine dieser schweren Verletzungen stellt für Vögel ein Bruch des Schnabelhorns dar, denn es wächst – wenn überhaupt – nur überaus langsam nach. Ist der Bruch nahe der Schnabelwurzel, kann der Vogel mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr selbstständig fressen und muss eingeschläfert werden. Das Nachwachsen des Schnabels dauert mitunter Jahre, so lang hält selbst ein übergewichtiger Vogel bedauerlicherweise nicht ohne Nahrung durch.

Verhindern kann man Kollisionsunfälle nur, indem man Gardinen oder Rollos vor Fensterscheiben hängt und den Sittich möglichst nicht dort fliegen lässt, wo es große, ungeschützte Glas- oder Spiegelflächen gibt.

Erschrecken:

Vögel sind in manchen Situationen ziemlich schreckhaft und sterben nicht selten an den Folgen eines Schocks. Zartbesaitete Tiere erleiden dann einen tödlichen Herzinfarkt. Oder der Vogel flattert wild herum und bricht sich Flügel oder Genick.

Ersticken:

Bitte lassen Sie keine Plastiktüten oder -folien dort herumliegen, wo sich Ihre Sittiche aufhalten. Die Neugier verleitet Wellensittiche dazu, sich das vermeintliche Spielzeug aus der Nähe anzuschauen. Falls sie hinein krabbeln, besteht akute Erstickungsgefahr!

Ertrinken:

Da Vögel ausgesprochen neugierige Zeitgenossen sind, untersuchen sie gern herumstehende Trinkgläser. Setzen sie sich auf den Rand, können sie bei ihren Trinkversuchen leicht vorn über stürzen. Ein offenes WC im Badezimmer stellt eine weitere Gefahrenquelle dar. Darüber hinaus kann sämtliches Putz- und Spülwasser zur tödlichen Falle werden. Der Schaum auf dem Wasser mutet wie eine feste Oberfläche an, auf der die Tiere landen wollen. Aus einem Putzeimer oder Spülbecken können sie sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien, wenn sie einmal durchnässt sind.

Schlechte Raumluft:

Vor allem im Winter ist die Raumluft nicht immer von allerbester Qualität. Trockene Heizungsluft setzt den Schleimhäuten der Vögel genauso wie den unseren zu. Wie Sie das Raumklima verbessern können, entnehmen Sie bitte diesem Kapitel. Denken Sie daran, sich und den Vögeln stets ausreichend Frischluft zuzuführen. Lüften Sie regelmäßig, sonst leidet das Immunsystem Ihres Pfleglings.

Vergiftung:

Entfernen Sie in den Freiflugzimmern zur Vorsicht alle Bleibänder aus den Gardinen/Vorhängen. Knabbert der Sittich an solchen Bändern, ist die Wirkung in den meisten Fällen tödlich. Auch an Alkohol, Klebstoff, Tinte (siehe Bild unten), Kugelschreiber- und Filzstiftminen sowie Blumendünger, Insektenspray, Duftlampen und -öle und Reinigungsmittel sollte Ihr Wellensittich nicht gelangen können. Ebenso sollte es sich von selbst verstehen, dass Sie Ihr Tier keinen Abgasen aussetzen. Besonders gefährlich sind Zigarettenstummel in Aschenbechern. Knabbern die Sittiche daran, besteht akute Vergiftungsgefahr. Zigarettenrauch ist auf die Dauer sehr gesundheitsschädlich für die Tiere. Nikotin ist und bleibt ein Gift, obwohl diese Tatsache vielen Rauchern absolut nicht gefällt. Aufgrund seiner schnellen Atmung und der kleinen Lunge ist ein Wellensittich durch Nikotin erheblich stärker gefährdet als ein Mensch. Also: Nicht in der Nähe Ihrer Vögel rauchen!

Zugluft:

Setzen Sie ihren Vogel niemals Zugluft aus, da er sich dadurch schwere Atemwegsinfektionen mit tödlichem Verlauf einfangen kann. Testen Sie mit einer Kerzenflamme oder einem Feuerzeug, ob der Standort des Käfigs zugluftfrei ist. Viele Sittichhalter gönnen Ihren Vögeln einen hellen Platz am Fenster, der in aller Regel zuvor nicht auf eventuell vorhandene Zugluft überprüft wird. Gegebenenfalls lassen sich undichte Fenster leicht reparieren.

Von Zugluft geht noch eine weitere, nicht zu unterschätzende Gefahr für im Zimmer frei fliegende Vögel aus. Wenn ein Vogel beispielsweise auf einer Tür sitzt und sich diese aufgrund eines Luftzuges schließt, kann es zu schweren Verletzungen oder gar zum Tode kommen. Zerquetschte Zehen sind eine sehr häufige Verletzung bei Vögeln, die auf Türen saßen, die durch einen Luftzug plötzlich zugefallen sind.