Gefiederbildung

Gefiederbildung bei den Tauben

Die äußere Haut der Taube, welche zugleich als Schutzhülle, Wärmeregulator und Sinnesorgan dient, enthält weder Talg- noch Schlauchdrüsen. Nur am Ohr finden sich einige Talgdrüsen. Außerdem ist eine Bürzeldrüse vorhanden, die bei einigen Rassen, z. B. Rollern, Pfautauben, ebenfalls fehlt. Eine freie Körperoberfläche tritt nicht zutage, da der Körper überwiegend mit Federn bedeckt ist. Federn fehlen – abgesehen von Nackthalstauben sowie federfüßigen Taubenrassen – nur am Mittelfuß und an den Zehen.

Nicht die ganze Haut ist gleichmäßig mit Federn bedeckt. Wir unterscheiden Federfluren, die mit Federn bedeckt sind, im Gegensatz zu Federrainen, die federlos sind. Kopf und Hals sind ganz befiedert; der Rücken ist mit einer breiten, aalstrichartigen Federflur in seiner ganzen Länge bedeckt, von der sich in der Schultergegend zwei Abzweigungen trennen. Das Hüftbein ist beiderseits mit einer schmalen Flur etwas längerer Federn bedeckt. Die Oberschenkel sind streifenweise, die Unterschenkel rundum befiedert. Auf der Brust finden sich rechts und links je eine breite Federflur, die in der Brustmitte einen breiten Federrain aussparen.

Ausgestreckter Flügel der Taube
a) Bugfedern
b) Daunenfedern
c) Handschwingen- Deckfedern
d) Handschwingen
e) Armschwingen

Der Bauch zeigt eine gleichmäßige Befiederung. Im Bürzel sitzen die großen Schwanzfedern, von denen in der Regel 12 vorhanden sind. Jedoch gibt es zahlreiche Rassen, z. B. Pfautauben und Rollertauben, bei denen 14 und mehr Schwanzfedern gefordert werden. Aus dem Bürzel wachsen außerdem Stützfedern für die großen Steuerfedern (obere und untere Schwanzdecke).

Schema einer Deckfeder
1 Schaft
2 Innenfahne
3 Außenfahne
4 Dunenstrahlen
5 Spule
6 Federbalg
7 Federpapille

Auf den Flügeln besitzen die Federn eine ganz bestimmte Anordnung, so dass sich diese in der Ruhelage fächerartig untereinander schieben. Am Unterarm befinden sich die 10 bis 12 Schwungfedern 2. Ordnung oder die Armschwingen. Sie sind an der Spitze abgerundet.
An den Fingerknochen folgen die Schwungfedern 1. Ordnung oder die Handschwingen, von denen in der Regel 10 vorhanden sind. Sie sind spitzer ausgebildet. Die drittletzte ist die längste. Alle Schwungfedern besitzen jeweils eine zugehörige stärkere Deckfeder. Im Übrigen ist der gesamte Flügel mit kleineren Deckfedern besetzt. An der Flügelspitze sind 2 Bugfedern sowie 4 Daumenfedern (Klappen) vorhanden. Letztere sitzen auf dem beweglichen Daumenglied und lassen sich gut unterscheiden. Der Oberarm trägt nur wenige Federn, die die Schulterdecken bilden. Eine zu schwache Ausbildung dieser Federgruppe kann zu offenem Rücken und Stülpflügeln führen.

Die Taube mausert zuerst die Handschwinge erster Ordnung, die den Armschwingen am nächsten steht. Bei normalem Zuchtverlauf beginnt sie damit etwa am 10. Tag der zweiten Brut. Die neunte Feder folgt nach etwa 3 bis 4 Wochen, wenn die vorhergehende Feder bereits teilweise nachgewachsen ist. Die folgenden zeitlichen Zwischenräume werden immer kürzer. Von den Armschwingen wird zuerst die außen liegende gewechselt. In der Regel wird in jeder Mauserperiode nur eine Armschwinge ausgetauscht, später auch 2 oder 3 Federn. Der Wechsel der Armschwingen erstreckt sich so über mehrere Jahre. Die Schwanzmauser beginnt meistens, wenn etwa die Hälfte der Handschwingen gefallen und erneuert ist. Zunächst fallen die beiden Federn seitlich der Mittelfedern, dann die Mittelfedern und dann mit der 3. Feder von der Mitte her die übrigen Schwanzfedern. Der verzögerte Mauserverlauf der Schwingen sowie der Steuerfedern sorgt dafür, dass die Tauben niemals flugunfähig sind. Die Mauser des übrigen Federkleides findet in der Regel nach Abschluss der Zuchtperiode im Herbst statt, wobei auch hier das Federkleid nach und nach ersetzt wird, damit die Tauben der herbstlichen Witterung nicht schutzlos preisgegeben sind. Unsere Tauben zeigen eine unterschiedliche Federbildung. Gut fliegende Rassen haben ein straffes Gefieder. Strukturtauben, wie Perückentauben oder Chinesentauben, besitzen eine weiche Feder. Lockentauben tragen auf den Flügeldecken gelockte Federn.

Die Bildung der Feder erfolgt aus einer Federpapille, die sich am Grunde einer Vertiefung der Haut, des Federbalges, befindet. An der voll entwickelten Feder unterscheiden wir den Kiel sowie die Federfahne, die bei den Schwungfedern wieder in die schmalere Außenfahne und die breitere Innenfahne unterteilt ist. Am unteren Ende der Fahne finden sich häufig einige lockere Dunenstrahlen. Der untere Teil des Kiels sitzt als Schaft in dem Federbalg. Er ist rund, hohl und durchscheinend. An seinem Ende besitzt er eine seichte Vertiefung, den Nabel, der die Federpapille umfasst. In seinem Inneren enthält er eine lockere Hornmasse, die Seele. Der Schaft ist solide, undurchsichtig, mehr oder weniger vierkantig sowie im Querschnitt hochelliptisch und enthält lufthaltiges weißes Mark; Die Fahne besteht aus 2 seitlich von dem Schaft weggerichteten, in einer gemeinsamen Ebene liegenden und schräg nach oben gewinkelten Reihe von Ästen. An diesen sitzen die Strahlen, die in Bogen- und Hakenstrahlen unterteilt werden. Die Hakenstrahlen sind mit feinen Häkchen besetzt, mit denen sie sich an den Bogenstrahlen des nachfolgenden Astes festhaken. Dadurch entsteht der feste Zusammenhang der Federfahne. Den Dunenstrahlen fehlen die Häkchen; sie bleiben daher locker. Dunenstrahlen finden sich am unteren Ende vieler Deckfedern. Außerdem kommen sie als selbständige Dunenfedern vor. Das Dunenkleid dient dem Wärmeschutz. Daneben finden sich noch vereinzelt Haarfedern, die nur aus einem langen, dünnen, fast fahnenlosen Schaft bestehen.

Die Farbe des Gefieders wird entweder durch Absorptionsfarben, welche auf dem Pigmentgehalt im Federmark beruhen, oder durch Strukturfarben, welche durch Reflexion (Lichtbrechung), Fluoreszenz und Interferenz durch feinste Gitterspalten bzw. ähnliche Vorgänge entstehen, gebildet. Eine Kombination beider Arten der Farbbildung ist möglich.

Schnitt durch eine Deckfeder (schematisch)
1 Hakenstrahlen
2 Äste
3 Bogenstrahlen
4 Schaft