Gefiederbildung

Gefiederbildung des Hausgeflügels

Die Federn sind das Schutzkleid für den Vogelkörper. Zur Regulierung der Körpertemperatur können sie fest oder lose angelegt werden. So wird z. B. bei Kälte das Gefieder gesträubt. Die darunter befindliche Luft erhält die Körperwärme konstant. Das Gefieder besteht aus einer Hornsubstanz, die, wenn ausgewachsen, ein totes Gebilde ist. Es ist leicht und verhältnismäßig fest. Für das Hausgeflügel ist das Gefieder aber nicht nur Schutzkleid und Träger von Farbe, sondern je nach Ausbildung auch enorm wichtig für eine rassetypische Gesamterscheinung. Die letzten Feinheiten der Form werden durch die entsprechende Gefiederbildung erreicht. Rückenlinie und Schwanzübergang werden meist von der Gefiederfülle bestimmt. Schenkelpolster und Kissenbildung im Sattel, Bauchform und Schmuckgefieder (Behänge) hängen weitgehend von Form und Ausbildung des Gefieders ab.


Die rassetypigsche Gesamterscheinung wird maßgeblich vom Gefieder mitbestimmen.

Starke Mängel in der Gefiederausbildung oder im Sitz des Großgefieders müssen bei der Bewertung entsprechend geahndet werden oder führen sogar zum Ausschluss.

Man unterscheidet im wesentlichen drei Federarten beim erwachsenen Tier:

  1. Konturfedern,
  2. Flaum- oder Dunenfedern,
  3. Faden- oder Haarfedern.

Die Konturfedern sind die den Umriss des Tieres ergebenden, sichtbaren Federn. Man unterteilt sie in das Deckgefieder (Kleingefieder) und das Großgefieder (Schwingen, Schwanz und bei Hühnern die Behangfedern). Die Flaum- oder Dunenfedern, bei den Farbbeschreibungen auch als Untergefieder bezeichnet, sind nur nach Anheben des Deckgefieders sichtbar, da sie direkt auf der Haut sitzen und nur kurz sind. Sie haben einen weichen Schaft und eine unzusammenhängende, weiche, lockere Struktur. Beim Wassergeflügel ist das Dunengefieder als Kälteschutz besonders dicht. Die Faden- oder Haarfedern haben einen langen, fast fahnenlosen Schaft, umstehen an bestimmten Körperbezirken die Konturfedern und sind äußerlich kaum sichtbar.

Im Einzelnen betrachtet besteht die Feder aus folgenden Teilen:

  1. dem Schaft, dessen unterer, in der Haut sitzender runder und hohler Teil Spule genannt wird. Nach oben wird er schwächer, flacher und heißt Kiel;
  2. den Federfahnen, die zweiseitig am Schaft sitzen. Diese werden aus Asten gebildet, die wiederum Strahlen tragen, die durch feinste Häkchen untereinander verbunden sind und so den festen Zusammenhalt der Federfahne ergeben.
1 Federschaft mit Spule
2 Federkeil
3 Federfahne
4 Flaum (Untergefieder)
Starke Vergrößerung einer Feder mit deutlich sichtbarer Verästelung

Form, Platzierung und Größe der verschiedenen Federgruppen am Beispiel eines Hahnes
1 Halsbehangfedern   9 Flankenfedern
2 Brustfedern   10 Nebensicheln
3 Schulter- und Flügeldeckfedern   11 Steuerfedern
4 Größere Glügeldeckfedern (Binden)   12 Schwanzdeckfedern
5 Bauchfedern   13 Sattelfedern
6 Armschwingen   14 Rückenfedern
7 Handschwingen   15 Hauptsicheln
8 Schenkelfedern   16 Kopffedern

Bei den größeren Federn (große Flügeldecken, Schwung-, Steuer- und Hauptsichelfedern) sind die beiden Federfahnen je nach ihrem Standort unsymmetrisch geformt bzw. von unterschiedlicher Breite. Der untere Teil der Federfahne des Kleingefieders ist nicht fest geschlossen und wird (farblich) als Untergefieder bezeichnet. Seine Entwicklung ist vom Standort der Feder und der Rasse abhängig und bewirkt ein lockeres oder festes Gefieder, was wiederum den Rassetyp entscheidend beeinflusst. Größe und Form der Feder sind in erster Linie vom Sitz an bestimmten Körperteilen abhängig. Hals- und Sattelbehangfedern der Hähne sind z. B. normalerweise schmal und lang, die Schwanzdeckfedern der Hennen haben je nach Rasse eine rundere Form. Bestimmte Gefiederzeichnungen sind an eine schmale (gestreift) oder breite (gesäumt) Feder gebunden. Bei Puten enden die Konturfedern nicht rund oder spitz, sondern gerade.

Das Gefieder der Flügel bei Hühnern unterteilt man in drei Gruppen:

  1. die kleinen und mittleren Flügeldecken bedecken den vorderen Teil des Flügels (Schulter und Bug);
  2. die großen Flügeldecken schließen sich als zwei Reihen größerer Federn an und bilden die bei Hähnen oft abweichend gefärbten Binden;
  3. die Schwingen, von denen die 10 größeren Handschwingen bei geschlossenem Flügel verdeckt sind, während die Armschwingen das so genannte Flügeldreieck bilden.

Eine Lücke zwischen Hand- und Armschwingen, durch das Fehlen der so genannten Axialfeder hervorgerufen (Flügellücke) schließt von der Bewertung aus. Bei Enten bildet die Färbung der Armschwingen den Flügelspiegel. Die Flügeltragefedern (seitliches Körpergefieder) beim Wassergeflügel schützen die Flügel beim Schwimmen vor Nässe. Ihnen kommt deshalb bei diesen Geflügelarten eine besondere Bedeutung in Ausbildung und z. T. auch in Färbung zu.

Das Schwanzgefieder der Hühner besteht aus 12 Steuerfedern. Der Hahn hat 2 Hauptsicheln und eine Anzahl Nebensicheln, an die sich der Sattelbehang anschließt. Dem Hauptsichel-Paar des Hahnes entsprechen die 2 großen Schwanzdeckfedern der Henne, die oft fälschlich als oberste Steuerfedern bezeichnet werden. Die anderen Schwanzdeckfedern der Henne bedecken analog den Nebensicheln des Hahnes den Grund der Steuerfedern. Perlhühner haben 16, Truthühner 18 Steuerfedern.

Flügelfedern:
1 Handschwingen,
2 Armschwingen,
3 Axialfeder,
4 Daumenfedern,
5 Größere Flügeldeckfedern (Binden),
6 Handschwingendeckfedern,
7 Flügelschild.
Schwanz des Hahnes:
1 Hauptsicheln,
2 Nebensicheln,
3 Steuerfedern,
4 Sattelfedern.
Schwanz der Henne:
1 Schwanzdeckfedern,
2 Steuerfedern,
3 Schwanznebengefieder,
4 Sattelgefieder.

Natürlich sind auch am Gefieder durch die Domestikation zahlreiche Abweichungen, zunächst durch Mutation, später durch Zuchtwahl entstanden. Allerdings nicht bei Truthuhn und Perlhuhn. Fehlen den Federstrahlen die Häkchen, so dass eine unzusammenhängende Federfahne entsteht, bewirkt dies die Seidenfiedrigkeit bei Hühnern.

Bei Enten und Hühnern kennt man eine Haubenbildung auf dem Kopf. Sie kann von einigen wenigen, hinter dem Kamm stehenden Schopffedern (La Fleche) über die nach vorn geneigte Helmhaube (Brabanter) bis zur Vollhaube (Holländer Weißhauben, Paduaner) gehen. Bei Hähnen sind die Haubenfedern lang und spitz, bei Hennen breiter und rund. Auch die Bartbildung ist bei Hühnern sehr variabel in Form und Größe. Ohrbommeln (Tuffs) sind von den Kopfseiten abstehende Federbüschel (Araucana). Bei Gänsen kommen gleichfalls Hauben vor, allerdings in nur kleiner Ausbildung, da ohne Schädelauftreibung.

Bei Hühnern sind bereits seit sehr langer Zeit auch befiederte Läufe bekannt. Ausdehnung und Form der Laufbefiederung können sehr unterschiedlich sein und von einer schwachen Befiederung des Laufes und der Außenzehe (z. B. Lachshühner) bis zu einer sehr dichten und weichen Befiederung, die auch die Mittelzehe erfasst (z. B. Cochin), gehen. Bei langer, harter Befiederung der Unterschenkel entstehen die Stulpen, oft auch Geierfersen genannt.

Die als Stulpen bezeichneten Federn sind weich und weniger hervortretend (Brahma), die als Geierfersen bezeichneten sind länger und härter (Breda). Nackthalsigkeit und Lockengefieder sind bei Hühnern ebenso bekannt wie Schwanzlosigkeit, also Fehlen der Steuer- und Sichelfedern.

Die Lockung bei Gänsen ist eigentlich nur eine Verlängerung und dadurch spiralige Drehung des Schulter- und evtl. Seitengefieders. Die zwei gebogenen Federn (Locken) auf den Schwanzdecken männlicher Enten, außer Warzenenten, sind ein sekundäres Geschlechtsmerkmal und von der Wildform erhalten geblieben.

Die Haut des Hausgeflügels ist nicht vollständig mit Federn besetzt. Die Federn sind vielmehr auf bestimmte Fluren begrenzt. Die dazwischenliegenden oder nur mit Dunen besetzten Hautbezirke, Raine genannt, werden aber fast stets von dem ausgewachsenen Gefieder bedeckt. Nur bei sehr knapp befiederten Rassen (Kämpfern) ist unbefiederte Haut (Brustbein, Schultern) mehr oder weniger sichtbar. Die breitesten Raine finden sich beim Nackthalshuhn, und zwar am Bauch und an der Innenseite der Schenkel. Diese werden aber gleichfalls vom umgebenden Gefieder bedeckt, sind mit der Nackthalsigkeit gekoppelt und somit rassetypisch.

Seidenfeder Lockenfeder
Kopf der Watermallschen Bartzwerge mit Bart und Schopf Auracana mit Bommeln

Nach Beendigung des Körperwachstums und mit Erreichung der Geschlechtsreife ist auch das Gefieder beim Hausgeflügel voll ausgebildet. Dies ist für die Bewertung auf Schauen von Bedeutung, da im Gefieder unfertige Tiere meist keine rassetypische Erscheinung zeigen. Noch im Wachstum stehende Schwung- oder Schwanzfedern lassen eine endgültige Beurteilung dieser Extremitäten nicht zu. Solange Hühner in der Entwicklung oder in der Mayser stehen, sind auch Kamm und Kehllappen noch nicht voll entwickelt. Solche unfertigen Tiere sollten nicht auf Schauen gezeigt werden. In unserem Klima wird das Gefieder der Hühnervögel alljährlich im Spätherbst erneuert. Männliche Enten, außer Warzenenten, machen außerdem im Frühsommer eine Teilmauser durch und legen bis zum Herbst ein so genanntes Ruhekleid an. Diese Eigenart blieb den Hausenten von der Stockente erhalten.

Fußbefiederung mit Stulpen und Latschen Bestrumpfung
(kurze Befiederung nur an den Außenseiten von Lauf und Außenzehe
Fußbefiederung und Gefrierfersen